Lovecraft, H.P. – Der Flüsterer im Dunkeln [Rezension]

Nachdem ich euch vor der Leipziger Buchmesse bereits Berge des Wahnsinns vorstellen durfte, hat mich die wunderbare Inge vom Festa Verlag erneut überrascht, indem sie mir den folgenden Schatz auf der Messe in die Hand drückte:

Übersicht

Titel: Der Flüsterer im Dunkeln
Originaltitel: The Whisperer in Darkness
Autor: H.P. Lovecraft
Reihe: Nein
Verlag: Festa
Seiten: 192 Seiten
Format: Hardcover, E-Book
Preis: 16,99€, 4,99€
ISBN: 978-3-86552-643-4

Das Buch könnt ihr hier erwerben: Festa | Amazon | Thalia

Das Meisterwerk des Cthulhu-Mythos
Illustriert von Timo Wuerz und mit einem Nachwort von Darrell Schweitzer

Düstere Phantastik

Ich muss wohl kaum noch einmal erwähnen, wie sehr ich Howard Phillips Lovecraft liebe und verehre. Sein Schreibstil mag eigen sein, ein wenig hochgestochen, ein wenig veraltet – doch genau dies erweckt für mich die finstere Thematik seines Fantasy-Epos um die Großen Alten zum Leben. Er hält einen gefangen, lässt einen voll und ganz eintauchen in die Atmosphäre der Cthulhu-Welt, die zugegeben ja auch in einer anderen Zeit spielt. Lovecrafts Leben und Wirken spielte sich nämlich zum Beginn des 20ten Jahrhunderts ab. Auch Der Flüsterer im Dunkeln wurde damals geschrieben und die Geschichte beginnt am dritten November 1927, mit einem historisch realen Ereignis: der großen Flut im Bundesstaat Vermont.

» Kurz nach dem Hochwasser fanden sich viele Geschichten über Dinge, die man angeblich in den angeschwollenen Flüssen gesehen hatte «

Unser Ich-Erzähler, Albert N. Wilmarth, ist zur Zeit der Flut Englischprofessor an der fiktiven Miskatonic Universität des Lovecraft-Städtchens Arkham. Unter seinen akademischen Freunden ist er jedoch auch für seine Volkskundestudien bekannt, sodass diese ihn bitten, ein wenig Licht in die Sache zu bringen. Anfangs vertritt Wilmarth dabei eine sehr nüchterne, rationale Stellung zu den angeblich gesichteten krustentierartigen Körper im Wasser und landet mit seinen Ansichten in der regionalen Zeitung – was wiederum den Einsiedler und Gelehrten Henry Akeley dazu veranleitet, Wilmarth herausfordernde Briefe zu schreiben, die diesen nachhaltig beeindrucken. Interessiert nimmt er den Briefwechsel mit Akeley auf und erfährt, dass jene krustentierartigen Körper angeblich in den Wäldern um dessen Bauernhaus beheimatet sind. Akeley identifiziert sie als eine Alienspezies namens Mi-go und will herausgefunden haben, dass sie nicht feindlich gesonnen sind und lediglich von der Öffentlichkeit verborgen leben wollen. In den folgenden Briefen schickt Akeley immer mehr Beweise für eine Existenz der Mi-go – bis plötzlich Briefe verschwinden und Anschläge auf Akeley verübt werden

Absoluter Page-Turner

Ab da entwickelt sich die Kurzgeschichte von 1930 ziemlich rasant. Mich hatte sie dabei so sehr in ihren Krallen, dass ich sie an einem Tag durchgelesen habe. Hoppla! Wie auch Berge des Wahnsinns ist Der Flüsterer im Dunkeln nicht nur großartig geschrieben, sondern ebenfalls voller wunderschöner Illustrationen von Timo Wuerz, welche die Atmosphäre der Story um Wilmarth, Akeley und die Mi-go perfekt untermalen. Das große Finale ist ein ‘Plottwist’, der jedem Leser schon dreißig Meilen gegen den Wind in die Nase gestiegen ist und irgendwo fragt man sich, wie ein Gelehrter wie Professor Wilmarth so verdammt naiv sein kann. Doch gleichzeitig tröste ich mich damit, dass es eben doch eine andere Zeit war und die Menschen damals wohl doch um einiges naiver – Stichwort Alien-Invasion in Concrete, Washington, im Jahre 1938. Wenn damals eine ganze Stadt dank eines Halloween-Streichs und einem Stromausfall an Aliens glauben, dann steht Wilmarth doch ganz gut da, oder?

Mein Fazit

Leute, ich gebe es offen zu: ich bin #festafiziert! Nein wirklich, das hängt sogar als Postkarte an meiner Wand. Auch Der Flüsterer im Dunkeln konnte mich vollkommen überzeugen. Obwohl die gesamte Geschichte quasi nur nacherzählt wird und zu keiner Zeit Gefahr für Wilmarth besteht – immerhin erzählt er die Geschichte im Nachhinein und liest den Großteil nur aus Briefen Akeleys –, schafft Lovecraft in seiner Kurzgeschichte eine wunderbar spannend-düstere Atmosphäre, die sich geradezu beängstigend auf den Leser auswirkt.

Wer also Lust auf eine kurze, aber anspruchsvolle Horrorstory hat, dem kann ich ohne mit der Wimper zu zucken dieses Schätzchen hier empfehlen. Es stimmt für mich einfach alles, sowohl die Übersetzung ins Deutsche, als auch die wunderschöne Aufmachung des Buchs. Die Geschichte um Wilmarth, Akeley und die Mi-go ist sowieso großartig, aber in dem feschen Hardcover aus dem Hause Festa macht sie richtig was her. Eine klare Kauf-Empfehlung meinerseits.

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