Lee, Edward – Monstrosity [Rezension]

! !  Zu aller Erst: dieses Buch ist nichts für schwache Gemüter und auch die folgende Rezension wird inhaltlich nicht nur makaber, sondern für den ein oder anderen abstoßend sein. Es handelt sich um einen Horrorroman mit explizit sexuellen Inhalten.  ! !

Übersicht

Titel: Monstrosity – Die Kreatur
Originaltitel: Monstrosity
Autor: Edward Lee
Reihe: Nein
Verlag: Festa
Seiten: 441 Seiten
Format: Paperback, E-Book
Preis: 14,99€, 4,99€
ISBN: 978-3-86552-739-4

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Auf einer Insel vor der Küste Floridas geht ein Monster um. Zumindest behaupten das die Einheimischen, wenn mal wieder jemand im dichten Wald verschwindet, um nie wieder aufzutauchen.
Clare Prentiss, die neue Sicherheitschefin des Krebsforschungszentrums, spürt schon an ihrem ersten Arbeitstag, dass auf der Insel etwas nicht stimmt. Sie glaubt nicht an Monster – bis der Anblick bizarrer Mutationen und die unglaublichen Aussagen einer Überlebenden sie zweifeln lassen.
Bald fühlt sie sich verfolgt. Und tatsächlich: Jemand steht in den Nächten vor ihrem Fenster und beobachtet sie. Heimlich, voller Begierde … Es ist kein Mann. Eher eine Monstrosität. Und dieses Wissen erweckt in Clare absonderliche sexuelle Fantasien …

Oh Festa, du Liebe meiner makabren Seele…

Wie ihr vielleicht wisst, bin ich offen und ehrlich #festafiziert und zusätzlich ein Fan von Horror, düsterer Fantasy und allem, was makaber ist. Dementsprechend musste ich natürlich zuschlagen, als ich die Ankündigung zu Monstrosity – Die Kreatur von Edward Lee gesehen habe. Auch der Klappentext klang vielversprechend, immerhin verbindet er einige sehr coole Eckdaten mit etwas, was mir persönlich sehr wichtig ist: sexuelles Einverständnis aka freiwilliger Sex statt Vergewaltigung. Vorab möchte ich sagen, hätte ich mir den englischen Klappentext durchgelesen, wäre mir sofort klar gewesen, dass dieses Buch einiges an Vergewaltigungen enthalten wird.
Und hier kommen wir auch schon an meinen ersten und größten Kritikpunkt: der deutsche Klappentext hat in meinen Augen den Inhalt des Buches dezent verfehlt.

Lasst mich das erklären: wenn ich mir den Klappentext durchlese, dann springen mir ein paar Punkte ins Auge, die ein Bild von der Story zeichnen. Da hätten wir einmal ein ‘angebliches’ Monster, das Leute im Wald verschwinden lässt; das Krebsforschungszentrum, dessen Sicherheitschefin unsere Protagonistin ist; bizarre Mutationen und eine Überlebende; und dann natürlich das Spanner-Monster, das Clare warum auch immer anturnt.  Soweit so gut.
Leider ist der Inhalt dann doch anders: ein Monster, dass sämtliche Frauen vergewaltigt und jeden Mann zerpflückt, dazu ein unerklärlicher Sexualtrieb bei jedem auf dieser Insel, Mutationen in dem Naturschutzgebiet und ein ‘verbotener’ Trakt im Forschungszentrum, in den nicht einmal das Sicherheitspersonal darf. Wer Interesse hat, sollte sich mal den englischen Klappentext durchlesen, denn der beschreibt das Buch eigentlich perfekt.

#TRIGGERED

Nun aber mal endlich zum Inhalt! Ich bin also mit ganz falschen Erwartungen an dieses Buch herangegangen und wurde dementsprechend ziemlich schnell ins eiskalte Wasser geworfen. Nach einem super atmosphärischen Anfang, kommt nämlich direkt eine große Vergewaltigungsszene, die detailliert über mehrere Seiten beschrieben wird. An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass Vergewaltigung so ziemlich das Einzige ist, das mich triggert. Ergo, ein hartes Hoppla.
Ich war ziemlich vor den Kopf gestoßen, vor allem da die Vergewaltigung eine Erinnerung von Clare ist und sie davon träumt. Long Story short: ich finde nicht, dass die Details der Vergewaltigung wichtig für die Story sind. Sie kurz zu erwähnen, auf jeden Fall. Aber sie an mehreren Stellen des Buches über drei Seiten zu wiederholen? … Bonnie sagt nö.

Gut, ich habe also angefangen, besagte Vergewaltigungs-Sequenz einfach zu skippen, denn sie taucht wie gesagt nicht nur einmal auf, sondern drei oder vier Mal. Spätestens da war klar, dass es ja irgendwie seinen Weg in die Story finden muss, dennoch verstehe ich nicht, wieso ausgerechnet diese Vergewaltigung so detailliert beschrieben werden muss, mehrfach. Versteht mich nicht falsch, ich verstehe dass Vergewaltigung ein gern genutztes Horror-Element ist. Es gab auch andere Vergewaltigungen in dem Buch, die im Geschichtsverlauf passiert sind und die fand ich nicht unnötig, denn sie gehören zu der Geschichte und erzeugen eine richtig miese Stimmung. Das ist für mich akzeptabel, wenn auch echt unschön. Na ja, blöd gelaufen für mich, denke ich.

Abgebrochen habe ich aber dennoch nicht, denn Edward Lee zeigt auch in Monstrosity, was ihn als Autor in meinen Augen bezeichnet. Er schreibt ziemlich platt, schafft es aber dennoch in diesen simplen Worten ein großartig-schauriges Bild zu erzeugen. Auch komplexe Informationen baut er so ein, dass sie leicht zu verstehen sind. Und das alles garniert er mit einem herrlichen Humor, für den ich ihn wirklich liebe. Er ist sehr speziell und morbid ohne Ende, aber ich finde ihn großartig. Ich musste ein paar Mal echt herzhaft lachen und “Scheiße, nein!” murmeln. Es sind diese Lacher zwischendrin, die dem Buch seinen unverkennbaren Edward Lee Charme geben.

Es bleibt durchwachsen

Doch auch dieser Charme lässt das Buch leider nicht über sich hinauswachsen – es bleibt durchwachsen, leider. Die Story dahinter ist der Hammer und hat mich wirklich begeistert, leider ist sie jedoch nicht gut erzählt. Das fängt schon damit an, dass die Protagonistin des Buches, Clare, bis zum Ende eigentlich nur als Werkzeug für Lee agiert. Sie ist ziemlich dämlich von ihrem ganzen Verhalten, glänzt aber zwischendurch mit deduktiven Meisterleistungen – wenn es nicht gerade um die Penisse der Insel geht. Die Männer dieser Geschichte sind nämlich ganz klar die Herren der Schöpfung und die weiblichen Charaktere leider wirklich, wirklich, wirklich unnütz. Sie sind dämlich, feige, zickig, missgünstig und können vor allem eine Sache gut: sich an den Männern aufgeilen. Die Boys der Story erwähnen das auch echt gerne und verspotten die ‘Tussis’ dafür, dass sie eben so sind, wie die Weiber nun mal sind. Kotz würg. Ach Leute, ich wünschte echt, ich könnte hier was besseres sagen, aber leider ist es so. Wir haben zwei gestandene Frauen von den Sicherheitsteams der Air Force, die aber gleichzeitig Angst haben, alleine durch einen Wald zu gehen und noch mehr Panik vor den bösen Kerlen haben, weil sie eben Kerle sind. Und das beides, obwohl sie fette Wummen in der Hand haben!

Hinzu kommt, dass ungelogen jede Frau, die in diesem Buch auftaucht und mehr beleuchtet wird als zwei Sätze, eine Vergangenheit mit Missbrauch und/oder Vergewaltigung hat. Ich hab nach der dritten Frau nur noch darauf gewartet, dass erwähnt wird, dass auch das neue Gööörl von ihrem Kerl, Onkel oder sonstwem missbraucht wird und/oder wurde. Auf mich hat es leider ein bisschen so gewirkt, als hätte sich Edward Lee beim Schreiben gedacht: “Fuck man, das ist noch nicht verstörend genug, die Leute werden nicht im Strahl kotzen weils so krank ist, shit ich bin doch Edward fucking Lee, ich baller jetzt noch drölftausend Mal Missbrauch und Vergewaltigung und noch mehr Titten rein!” Das hat allerdings für mich eher zum Gegenteil geführt, der Schock-Effekt war komplett weg. Durch die drölfzig-fache Erwähnung von Clares Vergewaltigung wurde für mich auch relativ schnell der Plot-Twist am Ende der Story klar, sodass mich auch dieses eher nüchtern und enttäuscht zurückgelassen hat.

Durchgehend genial hingegen fand ich die Sequenzen in der Vergangenheit. Das Buch ist in drei Teile und einen Epilog aufgeteilt. Jedem Teil voran steht ein Teil einer archäologischen Mission von 1995 und der Epilog verknüpft schließlich auch für den letzten Idioten die Mission und Clares Story. Allerdings gibt es in diesen Sequenzen viel, was zum Rätseln anregt und es endet mit einem echt geilen Knall. Hier hätte ich mir jedoch gewünscht, dass der Inhalt des Endes noch ein bisschen mehr Ausarbeitung erfahren hätte.
Generell hätte das dem ganzen Buch gut getan. Edward Lees simpler und doch atmosphärischer Schreibstil, der morbide Humor und die wirklich gute Story-Idee hätten ein Meisterwerk werden können, nur leider wird dies durch eine drittklassige Umsetzung zunichte gemacht. Tatsächlich wird 60% der Story von den ‘Nebencharakter’-Sequenzen erzählt und mindestens ein Drittel der Szenen von der ‘Protagonistin’ Clare waren inhaltslos.

Fazit

Wer die Rezi bis hierhin verfolgt hat, wird sich wahrscheinlich denken: Okay, Bonnie vergibt jetzt nen halben Stern weil Festa draufsteht und verschenkt das Buch dann an ihren Erzfeind. Aber um ehrlich zu sein, so hart ich es auch kritisiere, das Buch verdient doch mehr Liebe. Ja, die Umsetzung fand ich persönlich schlecht und auch die misogynistisch anwirkende Darstellung der weiblichen Charaktere ist ein Fall für die Biotonne, aber dennoch hat Monstrosity seine Pluspunkte. Mein größter Kritikpunkt ist hier wirklich der Klappentext, der für mich leider völlig falsche Erwartungen an das Buch geschürt hat. Die Story hinter den Charakteren ist echt großartig und ich wünschte, sie wäre besser umgesetzt worden.

Abschließend bleibt mir zu sagen, dass Monstrosity – Die Kreatur vielleicht nicht die große Kunst ist und wirklich kein Buch, dass ich ausdrücklich empfehlen würde, doch wer eine seichte Horror-Unterhaltung in einem interessanten Setting sucht und dabei gut damit umgehen kann, dass die weiblichen Charaktere im Buch strunzendumm und grundsätzlich missbraucht und/oder vergewaltigt worden sind, dem würde ich das Buch dennoch vorschlagen. Ich würde es nicht noch einmal lesen, aber ich bereue auch nicht die Zeit, die ich in das Buch investiert habe.

 

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