Silvera, Adam – Am Ende sterben wir sowieso [Rezension]

Hohe Erwartungen können einem oft ein richtiges Bein stellen. So ging es mir zum Beispiel schon einmal mit der Serie Breaking Bad, die mir von so vielen Seiten als die “beste Serie eveeeer” angepriesen wurde und als ich dann mal reingeschaut habe, war ich doch recht schnell desillusioniert. Mit Adam Silvera ging es mir nicht unähnlich auch wenn ich sagen muss, dass mir das Buch eigentlich gefiel … aber so ganz den Erwartungen konnte es nicht gerecht werden.

Übersicht:

Titel: Am Ende sterben wir sowieso
Original: They both die at the end
Autor: Adam Silvera
Reihe: Nein.
Verlag: Arctis
Seiten: 336
Format: eBook & Hardcover
Preis: 13,99€ & 18,00€
ISBN: 978-3-03880-019-4
Hier findet ihr das Buch auf: Arctis | Amazon | Thalia

Was wäre, wenn das Schicksal bei dir anklopft, um dich vor deinem bevorstehenden Tod zu warnen? Am 5. September, kurz nach Mitternacht, bekommen Mateo und Rufus einen solchen Anruf. Von der »Death Cast«, die die undankbare Aufgabe hat, ihnen die schlechten Neuigkeiten zu überbringen: Sie werden heute sterben. Noch kennen sich die beiden nicht, doch aus unterschiedlichen Gründen beschließen sie, an ihrem letzten Tag einen neuen Freund zu finden. Die gute Nachricht lautet, dass es dafür eine App gibt: Sie heißt ›Last Friend‹ und durch sie werden sich Rufus und Mateo begegnen, um ein letztes großes Abenteuer zu erleben – und um gemeinsam ein ganzes Leben an einem einzigen Tag zu verbringen.

Die Idee

… ist großartig und war auch der Grund für mich (abgesehen von meiner Shoppingbegleitung), dieses Buch bei Thalia mitzunehmen. Eine Welt, in der man an seinem Todestag kurz nach Mitternacht einen Anruf bekommt, der einem Bescheid gibt, dass es bald soweit sein wird. Das eröffnet jede Menge Möglichkeiten, aber auch Fragen. Letztere – zum Beispiel darüber, wie das ganze funktioniert – wurden nicht beantwortet, aber das nehme ich dem Autor keineswegs krumm. Der Fokus der Geschichte liegt nun auf dem Erleben des letzten Tags und was man daraus macht.

Die Charaktere

Der eher introvertierte Mateo und “yolo” (benutzen das die Kids heutzutage überhaupt noch?) Rufus könnten unterschiedlicher nicht sein. Der eine verbringt seine Freizeit daheim am PC und mit seinen Büchern, schätzt das Alleinsein oder bestenfalls die Gesellschaft seines Vaters oder seiner besten Freundin und scheut Risiken. Rufus dagegen ist das komplette Gegenteil, draufgängerisch, liebt das Leben, pflegt seine Freundschaften. Auf den ersten Blick haben beide nur zwei Gemeinsamkeiten: Sie haben jemanden verloren. Und sie werden innerhalb der nächsten vierundzwanzig Stunden sterben.

An und für sich fand ich beide – und auch die Nebencharaktere sehr angenehm. Sie hatten ihre Ecken und Kanten, waren authentisch, interessant, tiefgründig und nicht einfach nur Pappaufsteller. Aber irgendwie … fand ich es schwierig zu ihnen einen Bezug herzustellen und es fällt mir schwer in Worte zu fassen, woran das genau liegt.

Schön fand ich die einzelnen Intermezzi mit “Statisten”, kleinen Nebencharakteren, die durch kurze Einschübe Teil der Geschichte rund um Rufus und Matteo wurden und die Welt rund um den Todesboten und den individuellen Umgang damit näher beleuchtet haben.

Das Problem

Das Buch, so sehr ich Idee und Charaktere auch mochte, hatte ein einziges großes Problem, das es mir an manchen Stellen schwierig gemacht hat, mich von der Geschichte mitreißen zu lassen. Aus meiner Sicht liegt das Problem in der Idee, die zwar toll ist und nach unendlich viel Potenzial klingt, aber leider schriftstellerisch – zumindest in Romanform – unheimlich schwer realisierbar ist. Der ganze Roman spielt in einer Zeitspanne von weniger als vierundzwanzig Stunden und in dieser knappen Zeit muss alles untergebracht werden: Spannungsbogen, Charakterentwicklung, ein Konflikt und eine Moral und da stößt die Romanform einfach an ihre Grenzen.

In vielerlei Hinsicht sind die Entwicklungen im Buch – auch wenn man bedenkt, dass es sich für die Protagonisten um eine Extremsituation handelt – sehr gewollt.

Rufus und Mateo öffnen sich einander relativ schnell (verständlich, denn was haben sie schon zu verlieren), doch die Entwicklung der Gefühle zwischen beiden war für mich zu willkürlich. Eine intime durch den bevorstehenden Tod verstandene Freundschaft wäre okay gewesen, eine körperliche Beziehung in Anbetracht des baldigen Endes ebenso, doch woher plötzlich die Romantik kam, war mir sehr schleierhaft. Das hat einfach … nicht zu beiden gepasst.

Ähnlich geht es auch mit dem großen Konflikt in der Story. Dieser war letzten Endes nur dazu da, eine Art Spannungsbogen in die Handlung zu bringen, wirkte aber meiner Meinung viel zu willkürlich. Das Ende dagegen stellenweise schon beinahe platt.

Versteht mich nicht falsch, denn ganz ehrlich ich wüsste nicht, wie man das ganze als Roman besser verpacken könnte, aber ich finde dass sich Silvera trotz toller Idee und tollen Schreibens und Talent mit der Umsetzung dieser ein wenig übernommen hat.

Fazit

Geniale Idee. Interessante Charaktere. Wunderschöne Moral. Die Umsetzung dagegen hat mich enttäuscht, wofür ich jedoch weniger den Autor selbst als das Grundthema des Buches verantwortlich machen. Am Ende sterben wir sowieso hat mir zwar im großen und ganzen gefallen, mir jedoch auch Kopfschmerzen bereitet, weil es an vielen Stellen zu gequetscht und willkürlich war.

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